Warum stinkt Bernstein, wenn man ihn schleift?

Louis, 5. Klasse

Wer schon einmal einen Work­shop zur Bern­stein­be­ar­bei­tung bei uns im Museum besucht hat, der hat schnell heraus­ge­funden: Bern­stein riecht, wenn er warm wird.

 

Wenn man bedenkt, dass Bern­stein eigent­lich das Harz von Bäumen ist, wundert das nicht mehr so sehr. Viele Nadel­bäume und auch manche Laub­bäume produ­zieren Harz. Die darin enthal­tenen äthe­ri­schen Öle riechen ‒ das merkt ihr, wenn ihr z. B. einen frisch gefällten Baum (Weih­nachts­baum) zu Hause habt. Das Harz ist wie ein Pflaster für den Baum. Wird er verletzt, so quillt es aus der wasser­füh­renden Schicht (Kambrium) nach außen. Hier wird es langsam hart und schützt den Baum so vor Eindringlingen.

Harze werden bis heute vom Menschen genutzt. Weih­rauch und Myrrhe, die im Krip­pen­spiel dem Jesus­knaben geschenkt werden, sind sehr teure Harze, die ‒ wegen ihres Duftes ‒ zum Räuchern verwendet werden. Auch Bern­stein ist brennbar. Harze werden auch heute noch als Kleb­stoff und sogar als Kaugummi verwendet.

Damit aus dem Harz Bern­stein wird, braucht es aber Millionen von Jahre. Viele der heute gefun­denen Bern­steine stammen von Bäumen, die vor 66‒1,6 Mio. Jahren lebten. Es gibt aber auch fossile Harze, die schon 310 Mio. Jahre alt sind.

Eine beson­ders aufwen­dige Perlen­form wird in der römi­schen Kaiser­zeit herge­stellt. Diese Kette stammt aus Ammern in Thüringen

Bern­stein ist meist hell­gelb und klar. Durch Staub und Luft­bläs­chen kann sich seine Farbe stark verän­dern. Sie reicht von Weiß über Gelb bis hin zu Rot.

Liegt Bern­stein lange Zeit unge­schützt an der Luft, verfärbt er sich rot. Um ihn vor den Zerfall zu bewahren, muss Bern­stein feucht und vor direkter Sonnen­strah­lung geschützt im Boden lagern.

Reiche Bern­stein­funde in Thüringen stammen aus den bron­ze­zeit­li­chen Hügel­grä­bern von Schwarza. Die ältesten bekannten Bern­stein­funde aus Nord­deutsch­land sind ca. 6.000 Jahre alt und entstanden in der Jung­stein­zeit. Schon damals war er ein beliebter Schmuck­stein, weil er leicht zu bear­beiten ist. Durch Schleifen konnte der Bern­stein in die gewünschte Form z.B. Anhänger oder Perle gebracht werden. Beim Schleifen entsteht Hitze, die die äthe­ri­schen Öle verdampfen lässt. Das riecht man dann.

 

 

 

 

 

Schummeln bei Bernstein — ein altes Geschäft:

 

Je klarer der Bern­stein war, desto wert­voller war er. Schon vor über 2000 Jahren kannten die Römer einen Trick, um Bern­stein wieder klar zu machen. Durch das Kochen in Öl wird er weich und durch­lässig. Dabei gelangte Öl in die kleinen Luft­bläs­chen im inneren des Bern­steins. Da Öl und Bern­stein fast gleich aussehen, wirkte der Bern­stein jetzt klar und konnte teurer verkauft werden.